Die Medienkampagne geht weiter: Neues von der Nord-Stream-Sprengung
Inzwischen geht es Schlag auf Schlag, denn zwischen immer neuen Veröffentlichungen über die angebliche Täterschaft der Ukraine bei der Nord-Stream-Sprengung liegen nun nur noch wenige Tage. Am 10. Juni meldeten belgische Medien, dass die CIA europäischen Geheimdiensten schon kurz nach dem Terroranschlag auf die Pipelines mitgeteilt habe, dass sie die Ukraine hinter dem Anschlag vermutet. […]
Inzwischen geht es Schlag auf Schlag, denn zwischen immer neuen Veröffentlichungen über die angebliche Täterschaft der Ukraine bei der Nord-Stream-Sprengung liegen nun nur noch wenige Tage. Am 10. Juni meldeten belgische Medien, dass die CIA europäischen Geheimdiensten schon kurz nach dem Terroranschlag auf die Pipelines mitgeteilt habe, dass sie die Ukraine hinter dem Anschlag vermutet.
Zur Erinnerung: Diese Medienkampagne um die angebliche „pro-ukrainische Gruppe“, die mit einem kleinen Segelboot mindestens drei jeweils 450 Kilogramm schwere Bomben ohne Kran zu Wasser gelassen und in 80 Meter Wassertiefe gelegt haben soll, begann einen Monat, nachdem Seymour Hersh seine Recherche über die Täterschaft der USA veröffentlicht hat. Die westlichen Medien haben die Hersh-Veröffentlichung ignoriert oder diskreditiert, um einen Monat später die Räuberpistole von fünf Ukrainern zu hypen, die – wie auch sonst? – sogar einen falschen Pass in dem Segelboot vergessen haben. Scholz ist unmittelbar zuvor sogar extra nach Washington geflogen, um sich Instruktionen für das mediale Ablenkungsmanöver abzuholen.
Nun haben westliche Medien neue Ergebnisse ihrer „Recherchen“ veröffentlicht. Der Spiegel titelte „Sprengung der Ostseepipelines – CIA warnte Ukraine vor Anschlagsplänen“ und schrieb in der Einleitung des Artikels:
„Wurden die Nord-Stream-Pipelines von einem Kommando aus der Ukraine zerstört? Der amerikanische Geheimdienst soll Kiew laut Berichten vor dem Sabotageakt gewarnt haben – tatsächlich verdichten sich die Hinweise.“
So dreist muss man erstmal sein…
Das beste an den neuen Veröffentlichungen ist, dass die CIA nun vom Täter (bei Hersh) zum Retter der Pipelines stilisiert wird. Der Spiegel schreibt:
„Der US-Geheimdienst Central Intelligence Agency (CIA) hat die Ukraine im Juni 2022 eindringlich davor gewarnt, die beiden Nord-Stream-Pipelines durch einen Sabotageakt anzugreifen.“
So dreist, so etwas ernsthaft zu schreiben, muss man erstmal sein! Die Medien scheinen darauf zu bauen, dass ihre Leser schon vergessen haben, dass die USA der größte Gegner der Nord Streams waren. Den Bau von Nord Stream 1 haben sie versucht, zu verhindern. Den Bau von Nord Stream 2 haben sie mit Sanktionen behindert und verzögert. Und Präsident Biden hat in Anwesenheit von Bundeskanzler Scholz am 8. Februar 2022 gesagt:
„Wenn Russland einmarschiert, also Panzer oder Truppen wieder die Grenze zur Ukraine überqueren, wird es kein Nord Stream mehr geben. Wir werden dem ein Ende setzen.“
Und nun wollen uns die „Qualitätsmedien“ allen Ernstes das Märchen erzählen, dass die CIA von einem ukrainischen Plan zur Sprengung der Pipelines erfahren und die Europäer davor gewarnt hat? Wenn die Geschichte, dass die Ukraine dahinter steckt, stimmen würde und die CIA davon erfahren hätte, hätte man in Washington die Korken knallen und die Ukraine gewähren lassen, denn so wären die USA die verhassten Pipelines losgeworden, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen.
Aber dass die CIA die Europäer gewarnt haben, sich also für die Nord Streams eingesetzt haben soll…?
Das Märchen, das uns die westlichen Medien erzählen, wird wirklich immer dümmer.
Die Legende wird weitergestrickt
Aber es passt ins Bild: Von der Täterschaft der USA wird konsequent abgelenkt, stattdessen werden die USA nun sogar als die hingestellt, die die Pipeline retten wollten, aber die dummen Europäer hätten die Hinweise der CIA nicht beachtet. Und die Ukrainer hätten die Pipelines trotzdem – gegen den Willen der USA! – gesprengt, obwohl die CIA Kiew gesagt hat, es solle den geplanten Anschlag nicht ausführen.
Diesen Blödsinn erzählen die westlichen Medien wirklich, das ist keine Übertreibung von mir. Der Spiegel schreibt:
„Der niederländische Militärgeheimdienst MIVD hatte den Berichten zufolge erste Hinweise auf einen möglichen Anschlag durch ein Kommando aus der Ukraine, es ging demnach um Kenntnis von einem Anschlagsplan auf die Pipeline von Nord Stream 1. Dieser sollte laut MIVD im Juni 2022 stattfinden, mithilfe eines angemieteten Bootes. Den Berichten zufolge teilten die Niederländer ihre Informationen mit anderen Staaten, darunter auch Deutschland. Dies wiederum soll die CIA zum Anlass genommen haben, den ukrainischen Geheimdienst davor zu warnen, einen solchen Plan zu verwirklichen.
Bei den Ermittlungen zu den Sprengstoffanschlägen auf die Nord-Stream-Gaspipelines in der Ostsee verdichteten sich zuletzt bereits die Hinweise auf ukrainische Täter.“
Passend dazu veröffentlichte das Wallstreet Journal am gleichen Tag ebenfalls einen Artikel diesen Inhaltes und fügte hinzu, dass die CIA nach ihrer Warnung an Kiew sicher war, die Ukraine würde von den Plänen ablassen. Aber die Ukraine hat die Pipeline trotzdem gesprengt. Diese Schlingel in Kiew…
Die Umsetzung des RAND-Papiers?
Ich habe erst vor drei Tagen erneut über das RAND-Papier vom Januar geschrieben, in dem die US-Regierung aufgefordert wird, aus dem Ukraine-Abenteuer auszusteigen. Seit das Papier erschienen ist, weise ich auf den in meinen Augen wichtigsten Absatz daraus hin:
„Eine dramatische Änderung der US-Politik über Nacht ist politisch unmöglich – sowohl innenpolitisch als auch gegenüber den Verbündeten – und wäre in jedem Fall unklug.“
Die Frage ist daher für mich seit Januar, wie die US-Regierung es hinbekommen könnte, die Unterstützung für die Ukraine zu reduzieren und aus dem Ukraine-Abenteuer auszusteigen, ohne das Gesicht zu verlieren. Immerhin haben die USA die Politiker und die Öffentlichkeit in Europa und den USA so sehr gegen Russland aufgehetzt, dass sie eine wirklich überzeugende Geschichte präsentieren müssen, wenn sie ihre Ukraine-Politik „dramatisch“ ändern wollen.
Die Nord-Stream-Sprengung der Ukraine anzuhängen, dürfte ein wichtiger Baustein dieser Strategie sein, wie ich schon seit langem schreibe. Und das nimmt immer mehr Gestalt an, denn inzwischen gilt es für die westlichen Medien in ihren Berichten schon als fast gesichert, dass Kiew dahinter steckt.
Nun kommen die nötigen Details hinzu: Die USA werden von jedem Verdacht reingewaschen, weil sie ja alles versucht haben, den Anschlag zu verhindern. Auch den Polen wurde eine Brücke gebaut, indem gemeldet wurde, dass Kiew das polnische Staatsgebiet als Basis für den Angriff auf die für Deutschland so wichtige Pipeline genutzt hat, was Polen das „Argument“ in die Hand gibt, Kiew habe Warschaus Vertrauen missbraucht.
Und so weiter und so fort. Die Legende, dass die Ukraine die Nord Streams gesprengt hat, ist fast fertig. Offen ist laut den letzten Meldungen nur noch, ob Selensky davon wusste, oder ob der ukrainische Generalstab hinter Selenskys Rücken gehandelt hat.
Kiew wird geopfert
Das Problem ist, dass Kiews derzeitige Offensive einen entscheidenden Erfolg bringen muss. Die Waffenlager im Westen sind leer, die westliche Rüstungsindustrie kann Waffen und Munition nicht so schnell nachproduzieren, wie Kiew sie verbraucht. Außerdem ist das Ukraine-Abenteuer, das den Westen (also die USA und die EU) in etwas über einem Jahr schon fast 200 Milliarden Dollar gekostet hat, unbezahlbar geworden.
Wenn es Kiew nicht gelingt, echte Erfolge zu erzielen, brauchen die USA eine Exitstrategie. Und da die Offensive für Kiew alles andere als gut läuft, dürfte der Druck, schnell einen Vorwand für einen Ausstieg aus dem Ukraine-Abenteuer zu finden in Washington in den letzten Tagen gestiegen sein. So ließe es sich erklären, dass die Medien jetzt fast täglich „neue Erkenntnisse“ über die Nord-Stream-Sprengung veröffentlichen.
Das Problem dabei wird sein, dass die USA Russland etwas anbieten müssen, das Russland dazu bringt, auf die dann kommenden Vorschläge der USA einzugehen. Es wird den USA nämlich nicht gelingen, ohne Gesichtsverlust aus der Geschichte rauszukommen, wenn der Westen die Unterstützung der Ukraine einstellt, ohne sich vorher mit Russland geeinigt zu haben.
Und dass der Westen Russland etwas anbieten könnte, das Russland überzeugen könnte, auf irgendeinen Kompromiss einzugehen, der den USA eine Gesichtswahrung erlaubt, ist meiner Meinung derzeit nicht absehbar.