Ob die Ukraine mit den in den letzten Tagen verstärkten Angriffen auf Infrastruktur in Russland, mit der russisches Öl durch die Ukraine nach Ungarn und in die Slowakei gepumpt wird, die Friedensgespräche stören will, ist Spekulation. Tatsache ist aber, dass die Ukraine damit vor allem Ungarn sehr direkt und offen provoziert.

Am 13. August hat Kiew das Druschba-Ölpipelinesystem, das russisches Öl nach Europa (früher bis nach Deutschland) pumpt, in Russland mit Drohnen angegriffen. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó warnte darauf hin auf X, der Angriff gefährde die Energiesicherheit seines Landes, aber Russland sei optimistisch, dass die Schäden schnell repariert und die Lieferungen einen Tag später wieder aufgenommen werden könnten.

Szijjártó erinnerte in seinen Posts auch daran, dass Ungarn der wichtigste Stromlieferant für die Ukraine ist, die derzeit auf Stromimporte angewiesen ist, um die Stromversorgung aufrecht erhalten zu können.

Nur wenige Tage später gab es einen erneuten ukrainischen Angriff auf das Pipelinesystem in Russland. Der Angriff fand am 18. August statt, während Selensky und europäische Politiker auf dem Weg zum Treffen mit Präsident Trump in Washington waren. Dieses Mal waren die Schäden offenbar schwerer, denn wann die Öllieferungen wieder aufgenommen werden können, konnte der russische Betreiber zunächst nicht mitteilen.

Schlagabtausch auf X

Darauf folgte ein Schlagabtausch auf X zwischen dem ungarischen und dem ukrainischen Außenminister, den ich komplett zitiere. Der ungarische Außenminister Szijjártó schrieb am Montagvormittag:

„Die Ukraine hat erneut die Ölpipeline nach Ungarn angegriffen und die Versorgung unterbrochen. Dieser jüngste Angriff auf unsere Energiesicherheit ist ungeheuerlich und inakzeptabel!
Der russische stellvertretende Energieminister Pavel Sorokin teilte mir mit, dass Experten an der Wiederherstellung des für den Betrieb der Pipeline wichtigen Umspannwerks arbeiten, aber derzeit nicht sagen können, wann die Lieferungen wieder aufgenommen werden.
Dreieinhalb Jahre lang versuchten Brüssel und Kiew, Ungarn in den Krieg mit der Ukraine hineinzuziehen. Diese wiederholten ukrainischen Angriffe auf unsere Energieversorgung dienen demselben Zweck.
Um es klar zu sagen: Dies ist nicht unser Krieg. Wir haben nichts damit zu tun, und solange wir an der Regierung sind, wird sich Ungarn heraushalten.
Zum Schluss noch eine Erinnerung an die ukrainischen Entscheidungsträger: Strom aus Ungarn spielt eine entscheidende Rolle für die Energieversorgung Ihres Landes…“

Der ukrainische Außenminister antwortete darauf:

„Peter, es war Russland, nicht die Ukraine, das diesen Krieg begonnen hat und sich weigert, ihn zu beenden. Ungarn wird seit Jahren gesagt, Moskau sei ein unzuverlässiger Partner. Trotzdem hat Ungarn alles getan, um seine Abhängigkeit von Russland aufrechtzuerhalten. Selbst nach Ausbruch des umfassenden Krieges. Sie können jetzt Ihre Beschwerden – und Drohungen – an Eure Freunde in Moskau schicken.“

Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten, denn selbst wenn man Russland die Schuld für den Krieg ganz alleine anhängen will, dann war es trotzdem die Ukraine, die die für Ungarn so wichtige Pipeline angegriffen hat. Hinzu kommt, dass die Aussage, „Moskau sei ein unzuverlässiger Partner“ in diesem Zusammenhang reiner Zynismus ist, denn Russland liefert Ungarn ja zuverlässig Öl, es ist die Ukraine, die das verhindern will. Nicht Russland ist ein unzuverlässiger Lieferant, sondern die Ukraine ist für Ungarn ein unzuverlässiger Partner, der den Transport des russischen Öls nach Ungarn verhindert.

Der Streit zwischen Ungarn und der Ukraine

Ungarn und die Ukraine streiten sich über diverse Themen. Ungarn kritisiert die Kiewer Führung seit Jahren wegen der Unterdrückung der ungarischen Minderheit in der Ukraine, der – genauso wie der russischen und anderen ethnischen Minderheiten in der Ukraine – nicht nur der Schulunterricht in der eigenen Muttersprache, sondern sogar deren Benutzung in der Öffentlichkeit gesetzlich verboten wird. Ungarn kritisiert die zwangsweise Ukrainisierung, die Kiew mit seinen Minderheiten zu betreiben versucht.

Dass Ungarn die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland nicht unterstützt, nimmt man Budapest in Kiew sowieso übel. Aber Ungarn bleibt, trotz allen Drucks aus Brüssel, standhaft und hat sogar gegen den Beginn von Beitrittsverhandlungen der Ukraine zur EU ein Veto eingelegt. Ungarn fordert vorher den garantierten Schutz seiner Minderheit in der Ukraine.

Hinzu kommt der Streit um den Transit von russischem Öl und (früher) auch Gas durch die Ukraine nach Ungarn, der wegen der Kiewer Angriffe nun wieder in den Schlagzeilen ist.

Der Schlagabtausch der beiden Außenminister auf X zeigt einmal mehr, wie kaputt die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind. Und niemand kann ausschließen, dass Ungarn tatsächlich die Stromlieferungen in die Ukraine einstellt und das damit begründet, es habe wegen der ukrainischen Angriffe auf die ungarische Ölversorgung nicht mehr genug Strom für den Export.

Wie üblich schießt sich Kiew mit seinen Maßnahmen mal wieder ins eigene Knie, aber dafür ist das Kiewer Regime ja hinlänglich bekannt.

Weitere ukrainische Angriffe

In den letzten Tagen gab es noch weitere ukrainische Angriffe, die wohl den Sinn gehabt haben, die Friedensverhandlungen zu stören. So hat die Ukraine das AKW in der russischen Stadt Smolensk mit einer Drohe angegriffen, die jedoch abgeschossen werden konnte und nur ein für den Betrieb des AKW unwichtiges Gebäude auf dem AKW-Gelände beschädigt hat.

Und auch einen versuchten Angriff auf die Krimbrücke gab es vor einigen Tagen. Der russische Geheimdienst konnte den Anschlag im Vorwege verhindern, bei dem ein mit Sprengstoff beladener Pkw während der Fahrt über die Brücke zur Explosion gebracht werden sollte. Der nichts ahnende Fahrer, der glaubte, nur ein Auto zu überführen, wäre dabei quasi als unfreiwilliger Selbstmordattentäter gestorben. Der Sprengsatz war zwar nicht stark genug, die Bausubstanz der Brücke ernsthaft zu beschädigen, allerdings hätte der Anschlag mitten in der Urlaubszeit möglicherweise Hunderttausende potenzielle Urlauber einer Reise auf die Krim abgeschreckt, für die der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist.

Man kann wohl davon ausgehen, dass die ukrainische Führung mit diesen Angriffen auf ein AKW und auf die für Russland so wichtige Krimbrücke ausgerechnet während der laufenden Friedensverhandlungen Russland zu harten Reaktionen provozieren wollte, um einen Vorwand zu haben, die Verhandlungen abzubrechen.

Auch ein geopolitisches Signal?

Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den kaum mehr versteckten Streit zwischen Russland und Aserbaidschan. Aserbaidschan, früher offiziell ein enger Partner Russlands, unterstützt die Ukraine kaum mehr verdeckt und hat auch mit der Lieferung von Gas an die Ukraine begonnen, woraufhin Russland das ukrainische Gassystem bei Odessa angegriffen hat – wahrscheinlich, um diese Unterstützung durch ein deutliches Zeichen an Aserbaidschan zu beenden.

Daher kann man den Kiewer Angriff auf die ungarische Ölversorgung auch als eine Art Antwort darauf verstehen, wobei man sich bewusst sein muss, dass Kiew solche Angriffe in der Regel nicht ohne Zustimmung (und oft auch mit Hilfe) seiner westlichen Partner durchführt. Das ist allen Beteiligten klar, weshalb Ungarns Kritik unausgesprochen auch an Brüssel gerichtet ist, das die Kiewer Angriffe auf die ungarische Ölversorgung übrigens mit keinem Wort kommentiert.

Dass es zwischen den Angriffen auf die russische Ölpipeline und die ukrainische Gasverdichtungsstation, die aserbaidschanisches Gas in die Ukraine pumpt, einen geopolitischen Zusammenhang gibt, ist reine Spekulation. Aber es durchaus möglich, was zeigt, wie verworren die Politik rund um die Ukraine inzwischen ist.