Ukrainische Kamikazedrohne über Estland abgestürzt
Über den Drohnenangriff auf die Raffinerie im russischen Ust Luga nahe der estnischen Grenze und nicht weit von der russischen Millionenstadt St. Petersburg vom letzten Sonntag habe ich bereits berichtet. In dem Artikel habe ich auch die Frage aufgeworfen, ob die Drohnen, die den Großraum St. Petersburg angreifen, aus dem Baltikum kommen. Den Verdacht, dass […]
Über den Drohnenangriff auf die Raffinerie im russischen Ust Luga nahe der estnischen Grenze und nicht weit von der russischen Millionenstadt St. Petersburg vom letzten Sonntag habe ich bereits berichtet. In dem Artikel habe ich auch die Frage aufgeworfen, ob die Drohnen, die den Großraum St. Petersburg angreifen, aus dem Baltikum kommen. Den Verdacht, dass die baltischen Staaten etwas mit dem Beschuss von Zielen im Nordwesten Russlands zu tun haben, hat bereits Anfang Juli ein einflussreicher russischer Abgeordneter geäußert und mit militärischen Konsequenzen gedroht, sollte sich das bestätigen.
Wären die baltischen Staaten an den ukrainischen Angriffe auf Ziele im Nordwesten Russlands beteiligt, wäre das eine offene Beteiligung von NATO-Staaten an einem Krieg mit Russland. Daher ist dieses Thema hochsensibel und daher wäge ich bei Artikeln über dieses Thema jedes Wort genauestens ab.
Ukrainische Drohne in Estland abgestürzt
Nun gibt es allerdings eine Meldung aus dem Baltikum, die die zumindest indirekte Beteiligung der baltischen Staaten an diesen Angriffen zu bestätigen scheint.
Der halbstaatliche litauische Fernsehsender LRT hat vor einigen Tagen gemeldet, eine offenbar ukrainische Drohne sei über Estland abgestürzt. Der Sender zitierte den Chef des estnischen Geheimdienstes und schrieb:
„„Aufgrund vorläufiger Informationen haben wir Grund zu der Annahme, dass es sich möglicherweise um eine ukrainische Drohne handelte, die russische Stellungen anvisierte. Russland hat die Drohne mithilfe von GPS-Störsendern und anderen elektronischen Mitteln vom Kurs abgelenkt, sodass sie in Estland gelandet ist“, sagte er und fügte hinzu, dass sie möglicherweise von russischem oder lettischem Territorium aus in den Luftraum des Landes eingedrungen sei. Das Wrack und ein durch eine Explosion entstandener Krater wurden ursprünglich am Montag von einem Landwirt in der Nähe des Võrtsjärv-Sees im Kreis Tartu entdeckt, berichtete der estnische öffentlich-rechtliche Sender ERR am Dienstag. Estnische Behörden gaben an, die Drohne sei am Sonntagmorgen zwischen 4:00 und 5:00 Uhr etwa 75 Kilometer von der russischen Grenze entfernt abgestürzt.“
Die Meldung ist hochbrisant, denn zum Zeitpunkt dieses Absturzes in Estland wurde auch die russische Raffinerie in Ust Luga angegriffen. Hinzu kommt, dass es zu dem Zeitpunkt Drohnensichtungen gab. Zeugen meldeten Drohnengeräusche an estnisch-lettischen Grenze, außerdem wurden zwei Drohnen über den estnischen Peipussee geortet, von denen eine in den See gestürzt sein soll. All dies fand in der genannten Zeit am frühen Sonntagmorgen des 24. August statt.
Ich bin nur ein Schreiberling und meine Kenntnisse mit grafischen Arbeiten sind minimal, weshalb ich für diese primitive Darstellung um Verzeihung bitte, aber ich habe diese Punkte zum Verständnis auf der Karte markiert und mit einer schwarzen Linie verbunden: Rot: Der Ort der Drohnengeräusche an der estnisch-lettischen Grenze, Blau: der Absturzort der Drohne, Grün: der Peipussee, wo zwei Drohnen gesichtet wurden, Gelb: die russische Raffinerie, die zu dem Zeitpunkt mit Drohnen angegriffen wurde.

Woher kamen die Drohnen?
Man kann, nachdem der litauische Fernsehsender und auch andere baltische Medien bestätigt haben, dass zum Zeitpunkt des Angriffs auf die russische Raffinerie nahe der estnisch-russischen Grenze ukrainische Kamikazedrohnen das Baltikum überflogen haben, nicht mehr bestreiten, dass meine Theorie stimmt, dass die Drohnen, die den Großraum Petersburg angreifen, zumindest teilweise aus den baltischen Staaten nach Russland einfliegen.
Das wirft zunächst einmal die Frage auf, wo die Drohnen gestartet werden. Wenn sie in der Ukraine gestartet werden, dann dürften sie kaum über das mit Russland verbündete Weißrussland fliegen, sondern müssten die Route über Polen und dann die drei baltischen Staaten nach Russland nehmen. Diese Strecke wäre etwa 1.600 Kilometer lang.

Die Ukraine verfügt mit der AN-196 über ein Langstreckendrohne, deren Reichweite mit bis zu 2.000 Kilometer und deren Höchstgeschwindigkeit mit 400 km/h angegeben wird. Es wäre technisch also nicht ausgeschlossen, dass die Drohnen tatsächlich aus der Ukraine kommen und mit Erlaubnis Polens und der Baltenstaaten deren Luftraum für Angriffe auf Ziele in Russland nutzen.
Um einschätzen zu können, ob diese Version stimmt, müsste Russland mitteilen, ob es AN-196 sind, die die Ziele bei Petersburg angreifen. Oder Estland müsste mitteilen, welcher Drohnentyp dort abgestürzt ist.
Was bedeutet das?
Natürlich könnten sich Polen und die Baltenstaaten dumm stellen und behaupten, die Ukraine würde ihren Luftraum ohne ihr Wissen und ohne ihre Erlaubnis für Angriffe auf Ziele in Russland nutzen. Und sie könnten auch behaupten, dass ihre Radare entlang der Grenze zwischen der NATO einerseits und Weißrussland und Russland andererseits die ukrainischen Drohnen nicht bemerkt hätten. Nur wer soll letzteres angesichts der dort zusammengezogenen NATO-Streitkräfte und dem Geschrei in Europa über die angebliche russische Bedrohung glauben?
Also können wir davon ausgehen, dass die Ukraine den Luftraum der NATO-Staaten mit deren Erlaubnis für Angriffe auf Ziele im Großraum St. Petersburg nutzt.
Ich will den Gedanken nicht zu Ende denken, denn wenn das stimmen sollte, dann würde das bedeuten, dass früher oder später eine militärische Reaktion Russlands erfolgen wird, weil die NATO, oder zumindest Polen und die baltischen Staaten, an Angriffen auf Ziele in Russland beteiligt wären.