Ich habe bereits in einem Artikel angedeutet, dass der Verdacht besteht, dass die Drohnen, mit denen die russische Großstadt St. Petersburg in letzter Zeit beschossen wurde, aus Estland kommen könnten. Darauf deutet einiges hin.

Erstens kann jeder, der Petersburg in Richtung Süden verlässt, Stellungen der Luftabwehr sehen, die in Richtung Estland ausgerichtet sind. Zweitens ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Drohnen aus der Ukraine kommen, denn sie müssten dazu unentdeckt über ganz Weißrussland fliegen. Drittens ist es ungewöhnlich, dass die russischen Medien den Beschuss von Petersburg praktisch nicht erwähnen. Sie berichten zwar über das Chaos, das zeitweise auf dem Petersburger Flughafen herrscht, wenn der Luftraum stundenlang wegen Drohnenalarm gesperrt werden muss, aber sie stellen keine Fragen dazu, woher die Drohnen kommen. Und viertens wurde keine Festnahme etwaiger pro-ukrainischer Terroristen gemeldet, die die Drohnen aus der Umgebung der Stadt gestartet haben könnten.

Natürlich kann man nicht ausschließen, dass diese Drohnen von bisher unentdeckten Terroristen in Russland gestartet werden, aber normalerweise ist die Festnahmequote in solchen Fällen recht hoch. Es sind also entweder sehr geschickte Terroristen, oder die Drohnen haben einen anderen Ursprung.

Wenn ich meinen Verdacht, dass die Drohnen möglicherweise aus Estland gestartet werden, bei meinen Quellen im russischen Sicherheitsapparat, angesprochen habe, bekam ich dazu keine klare Antwort, sondern nur nachdenkliche Gesichter. Bestritten hat das jedoch niemand.

Das kann nicht überraschen, denn Russland versucht nach wie vor einen großen Krieg in Europa zu vermeiden. Dass inzwischen beispielsweise bekannt und unbestritten ist, dass die „Moskwa“, das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, mindestens mit aktiver Hilfe westlicher Staaten versenkt wurde, hat Russland zunächst bestritten und von einem Unfall an Bord gesprochen, als westliche Medien das dann unwidersprochen gemeldet haben, hat das offizielle Russland die Nachricht einfach ignoriert, denn jede andere Reaktion hätte einen offenen Krieg gegen die daran beteiligten NATO-Staaten bedeutet.

So ist es auch mit dem (von mir vermuteten) Beschuss Petersburgs aus dem Baltikum. Wenn aus den baltischen Staaten Angriffsdrohnen nach Russland abgefeuert werden und Russland das offiziell bestätigt, würde das zwangsläufig einen heißen Krieg gegen die baltischen Staaten und damit wohl gegen die NATO oder zumindest die Staaten der EU bedeuten.

Nun scheint sich Russlands Verhalten zu ändern, denn heute hat Alexej Schurawlew, der erste stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, sich in russischen Medien und auf seinem Telegram-Kanal zu der Frage geäußert. Ich übersetze hier seinen Telegram-Post dazu:

„Die Praxis zeigt, dass Drohnen in den meisten Fällen nicht aus dem Ausland gestartet werden, sondern von Sabotagegruppen, die von den ukrainischen Streitkräften auf russischem Territorium rekrutiert werden. Sicherlich könnten die baltischen Länder dies tun, einfach aus dem unwiderstehlichen Wunsch heraus, Russland und Finnland, das nicht umsonst der NATO beigetreten ist, zu schaden.
Uns ist wichtig, dass diese Länder verstehen: Sobald wir 100-prozentige Beweise dafür erhalten, dass sie an Angriffen auf Russland beteiligt sind, ist Vergeltung unvermeidlich. Das ist nicht die Ukraine, die einst das größte Land Europas war. Man kann in einer Woche durch das gesamte Baltikum laufen.
Außerdem werden wir nicht gegen die Bevölkerung dieser Länder Krieg führen. Die USA haben kürzlich die Formel gezeigt, als sie den Iran angegriffen haben: Sie sagten, die militärischen Aktionen richteten sich nicht gegen ihn, sondern gegen sein Atomprogramm. So auch wir, wir werden sofort auf die Fabriken antworten, in denen die Drohnen produziert werden, und auf die Stützpunkte, von denen aus sie gestartet werden – aber natürlich werden wir nicht gegen die baltischen Staaten oder Finnland Krieg führen.“

Ich will aus diesem Grund auch daran erinnern, dass der estnische General Vahur Karus, der Leiter der vereinigten Militärstäbe des Landes, am 17. September 2024 in einem Interview sehr offen gesagt hat, dass Estlands Streitkräfte von der NATO den Auftrag erhalten hätten, sich auf eine mögliche kriegerische Auseinandersetzung zwischen der NATO und Russland vorzubereiten. Estland solle dann Ziele auf russischem Gebiet angreifen. Darüber habe ich schon vor über einem Monat berichtet.