Am 18. März haben der russische Präsident Putin und US-Präsident Trump telefoniert und am folgenden Tag hat Trump auch den ukrainischen Machthaber Selensky angerufen. Bei dem Telefonat hat Trump Selensky vorgeschlagen, die USA sollten die ukrainischen AKW übernehmen. In der Pressemeldung des Weißen Hauses hieß es dazu:

„Präsident Trump sprach auch über die Stromversorgung und die Kernkraftwerke der Ukraine. Er sagte, die USA könnten mit ihrer Expertise im Energie- und Versorgungssektor beim Betrieb dieser Anlagen sehr hilfreich sein. Amerikanische Eigentümerschaft an diesen Anlagen wäre der beste Schutz für diese Infrastruktur und eine optimale Unterstützung der ukrainischen Energieinfrastruktur.“

Trump hat die Idee, die ukrainischen AKW den USA zu überschreiben, also mit einer Art Sicherheitsgarantie begründet, die der „der beste Schutz“ für die ukrainischen AKW wäre. Trump dürfte sich dabei der absurden Meldungen Kiews bedient haben, das immer wieder behauptet, Russland würde selbst das AKW Saporoschje beschießen, das unter russischer Kontrolle steht, und Russland hätte auch das AKW Tschernobyl angegriffen.

Selensky ging zunächst gar nicht auf diese für ihn offenbar überraschende Wendung ein, aber einen Tag später bestritt der die Aussage des Weißen Hauses teilweise, wie der Spiegel berichtete:

„Während Trump ihm eine Übernahme aller vier ukrainischen Atomkraftwerke als Sicherheitsgarantie vorgeschlagen haben will, wurde Selenskyj zufolge nur über das russisch besetzte AKW Saporischschja gesprochen. »Wir haben nur über ein Kraftwerk gesprochen, das unter russischer Besatzung steht«, sagte er mit Verweis auf die Anlage Saporischschja im Süden der Ukraine.“

Es stellt sich also die Frage, warum Trump diesen Vorschlag gemacht hat.

Trump will alles, was in der Ukraine noch irgendeinen Wert hat

Seit Trumps Amtsantritt haben seine Ideen Schlagzeilen gemacht, mit der Ukraine einen Rohstoff-Deal abzuschließen, der den USA Zugriff auf alle Bodenschätze der Ukraine gibt, wodurch die Ukraine die US-Hilfen begleichen soll, die unter Präsident Biden geflossen sind. In dem Abkommen geht es jedoch nicht nur um die ukrainischen Bodenschätze, sondern die USA wollen sich mit dem Deal neben den „Lagerstätten von Mineralien, Kohlenwasserstoffen, Öl, Gas und anderen geförderten Materialien“ in der Ukraine auch den Zugriff auf „Infrastruktur, Häfen und Staatsunternehmen“ sichern.

Kurz und gut: Trump will alles, was in der Ukraine noch irgendeinen Wert hat.

Selensky hat sich nur kurzzeitig gesträubt, das Abkommen zu unterzeichnen, dann aber zugestimmt. Dazu ist er vor drei Wochen nach Washington geflogen, aber die Unterzeichnung fand nicht statt, weil es an dem Tag zu dem öffentlichen Streit zwischen Selensky einerseits und Trump und seinem Vizepräsidenten Vance andererseits gekommen ist. Trump hat Selensky daraufhin aus dem Weißen Haus werfen lassen, ohne das Abkommen zu unterschreiben.

Die Ukraine hat danach immer wieder ihre Bereitschaft erklärt, das Abkommen jederzeit zu unterschreiben, aber offensichtlich hat Trump es damit nicht eilig, denn seitdem sind über drei Wochen vergangen.

Über den wahrscheinlichen Grund dafür habe ich schon berichtet, denn die Ukraine hat ihre Bodenschätze im Januar bereits an Großbritannien überschrieben. Am 16. Januar haben Selenksy und der britische Premierminister Starmer in Kiew ein Partnerschaftsabkommen mit einer Laufzeit von 100 Jahren unterzeichnet, und in dem Abkommen ist unter Punkt 5.3.1. die „Erkundung von Projekten im Bereich erneuerbarer Energiequellen und Versuch, Investitionen britischer Unternehmen in die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen anzuziehen“ geregelt, was im Klartext bedeutet, dass Selensky die ukrainischen Vorkommen für Lithium und andere für die „Energiewende“ wichtigen Bodenschätze bereits den Briten versprochen hat.

Das dürfte ein Grund für den öffentlichen Streit im Weißen Haus gewesen sein, denn Trump weiß das natürlich. Das erklärt auch, warum Trump an dem Tag nicht auf die Unterzeichnung des Abkommens gepocht hat, sondern Selensky unverrichteter Dinge aus dem Weißen Haus werfen ließ.

Trumps Vorschlag, die ukrainischen AKW in „amerikanische Eigentümerschaft“ zu überführen, hat also überhaupt nichts mit irgendwelchen Fragen der Sicherheit zu tun, sondern ist Teil von Trumps Bemühungen, sich alles von Wert, was es in der Ukraine noch gibt, unter den Nagel zu reißen. Da das bei den Bodenschätzen schwierig werden könnte, hat Trump sich in seinem Deal nicht umsonst schon mal den Zugriff auf ukrainische Infrastruktur, Häfen und Staatsunternehmen gesichert. Nun hat er nachgelegt und auch die ukrainischen AKW gefordert.

Westinghouse und die ukrainischen AKW

Der Grund dafür ist nicht nur, das die AKW einen Wert von Milliarden Dollar haben oder dass Trump den USA damit die Kontrolle über den ukrainischen Strommarkt verschaffen würde. Auch die Tatsache, dass die Ukraine, wenn der Krieg irgendwann mal vorbei ist, dank ihrer AKW ein Exporteur von Strom in die EU wird, was den USA auch Einfluss auf den Strommarkt der EU sichern würde, ist wohl entscheidend.

Die treibende Kraft hinter der Idee dürfte die Westinghouse Electric Company sein, ein US-amerikanischer Konzern, der AKW herstellt, technisch betreut und Brennstäbe für AKW herstellt. Westinghouse versucht seit 20 Jahren, Russland als Lieferant von Brennstäben für von der Sowjetunion gebauten AKW zu verdrängen. Allerdings gab es dabei immer wieder ernsthafte Probleme, weil die Technik zu unterschiedlich ist.

Darüber hat das russische Fernsehen vor drei Jahren berichtet und ich habe den Bericht seinerzeit übersetzt. In dem Bericht hieß es, dass zunächst tschechische Ingenieure versucht haben, die russischen Brennstäbe durch Brennstäbe von Westinghouse zu ersetzen, was schief gegangen ist. Die Nutzung der amerikanischen Brennelemente musste unterbrochen werden, weil die Brennelemente von Westinghouse gleichzeitig Druck-, Biege- und Torsionsverformungen aufwiesen. Die Tschechen haben daher, zum ersten Mal in der Energiegeschichte den Brennstoffvertrag gekündigt und sind zu den Verträgen mit Rosatom zurückgekehrt.

Das hat aber die Maidan-Ukraine nicht gestört, die trotzdem Verträge mit Westinghouse abgeschlossen hat, um ihre Reaktoren sowjetischer Bauart mit Westinghouse-Brennstäben zu bestücken. Dass die Brennstäbe von Westinghouse sich sogar in Masse und Größe von den für die Reaktoren vorgesehenen Brennstäben unterscheiden, stört die ukrainische Regierung dabei nicht.

Der erste Reaktor, bei dem diese Experimente gemacht wurden, war übrigens das AKW in Saporoschje, das heute unter russischer Kontrolle steht. Wie schon in Tschechien, endete der erste Versuch mit Westinghouse-Brennstäben auch in der Ukraine in einem Fiasko und der Reaktor fiel aus, wobei ein Schaden von fast 200 Millionen Dollar entstand. Die ukrainische Atomenergiebehörde Energoatom hat das aber nicht abgeschreckt und seitdem wurden immer wieder Unfälle mit diesen Brennstäben gemeldet.

Nun könnte jemand einwenden, dass das alles nur russische Propaganda sei, aber das stimmt nicht. Man kann das auch auf Fachportalen nachlesen. Das seit 1956 erscheinende Fachjournal Nuclear Engineering International schrieb beispielsweise im Dezember 2019:

„Energoatom startete im Jahr 2000 ein Projekt zur Qualifizierung von Westinghouse-Brennstoff. 2008 unterzeichneten Energoatom und Westinghouse Electric Sweden (damals Teil von Toshiba) einen Vertrag über die Lieferung von Brennstoff an ukrainische Reaktoren im Zeitraum 2011–2015. Während des Probebetriebs in der Südukraine im Jahr 2012 verformte sich der Brennstoff und beschädigte den Reaktor. Die Ukraine setzte daraufhin die Verwendung von Westinghouse-Brennstoff bis zu seiner Neukonstruktion aus. Nach dem Regierungswechsel 2014 wurde der Vertrag erneuert und verlängert. Anfang 2018 verlängerten Energoatom und Westinghouse Electric den Vertrag bis 2025.“

Auch Äußerungen des US-Energieministers zeigen, dass die USA keineswegs problemlos das Management von AKW sowjetischer Bauart übernehmen können, auch wenn er das in einem Interview bei der Frage nach dem AKW Saporoschje positiv formuliert hat:

„Dies ist eine andere Konstruktion von Kraftwerken. Aber man kann lokale Experten, die das Kraftwerk kennen, als auch hochqualifizierte Experten aus den USA einbeziehen. Gemeinsam können sie kluge Entscheidungen treffen. Wenn politische Entscheidungen zugunsten einer Übergabe des Kraftwerks an die USA getroffen werden, dann soll es so sein. Ich denke, wir können das ohne Probleme tun.“

Was Trump versucht, ist also nichts anderes, als die totale wirtschaftliche Kontrolle über die Ukraine zu übernehmen und den USA und ihren Konzernen dabei alles von Wert zu sichern, was es in dem Land noch gibt, sondern auch konkreten US-Konzernen, zum Beispiel Westinghouse, zu helfen, ihre Geschäfte langfristig zu sichern. Was interessiert Trump dabei die Sicherheit der Reaktoren, wenn die sich aus seiner Sicht am anderen Ende der Welt befinden?

Das AKW Saporoschje

Natürlich ist klar, dass Russland das AKW Saporoschje nicht an die USA übergeben wird. Wenn der Krieg vorbei ist, wird Russland die Westinghouse-Brennstäbe aus dem AKW ausbauen und durch eigene, für das AKW vorgesehene, ersetzen.

Selenskys Idee, das AKW Saporoschje an die USA zu übergeben, kann man verstehen, denn Selensky will damit einen Keil zwischen Trump und Putin treiben, weil Putin sich darauf nicht einlassen wird.

Aber Selenskys Rechnung wird nicht aufgehen, denn Trump hat die Fakten schon anerkannt und akzeptiert, das sein Deal mit der Ukraine nicht für Bodenschätze und Infrastruktur gilt, die unter russischer Kontrolle stehen. Laut Medienberichten gibt es dazu sogar einen konkreten Punkt in dem Rohstoff-Abkommen, in dem die USA sich die Rechte an den ukrainischen Bodenschätzen sichern, die derzeit nicht unter ukrainischer Kontrolle sind, falls diese wieder unter ukrainische Kontrolle fallen sollten.

Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass Trump anerkannt hat, dass Bodenschätze und Infrastruktur (und damit auch das AKW Saporoschje), die unter russischer Kontrolle sind, zumindest aktuell nicht unter das Abkommen fallen.

Damit hat Trump sich zwar für den Fall abgesichert, dass heute von Russland kontrollierte Gebiete wieder unter ukrainische Kontrolle fallen, aber eben auch klargemacht, dass diese Bodenschätze und Infrastrukturen nicht unter den Deal fallen, solange sie von Russland kontrolliert werden. Und Trump hat oft genug gesagt, dass eine Rückkehr dieser Gebiete zur Ukraine unrealistisch ist.

Aber die anderen ukrainischen AKW, die hätte Trump trotzdem gerne, auch wenn Selensky das bisher ausschließt. Aber in letzter Zeit hat Selensky schon so oft seine Meinung geändert, dass ihn in Washington ohnehin niemand mehr ernst nimmt.