Ich berichte in drei Artikeln über die Wahl in Moldawien. Im ersten Artikel habe ich gezeigt, warum die Wahlen offensichtlich dreist manipuliert wurden. Im zweiten Artikel habe ich an die von der pro-westlichen Regierung offen vorbereiteten Manipulationen erinnert und gezeigt, wie diese Vorbereitungen am Wahltag umgesetzt wurden. In diesem dritten Artikel zeige ich, wie wenig deutsche Medien wie der Spiegel ihren Lesern über die Wahl-Farce mitteilen.

Warum Moldawien so wichtig ist

Wie wichtig das kleine Land Moldawien für den Westen ist, konnte man daran erkennen, dass das Land, über das deutsche Medien normalerweise nicht berichten, in der Woche vor der Wahl allein beim Spiegel in gleich fünf Artikeln Titelthema war. Am 22. September titelte der Spiegel „Vor Parlamentswahlen – Moldau verhaftet 74 Menschen wegen mutmaßlich von Russland geplanter Unruhen“, am 26. September lauteten Spiegel-Überschriften „Eine Milliarde verschwunden – »Diebstahl des Jahrhunderts« – Oligarch Plahotniuc nach Moldau ausgeliefert“ und „Kurz vor der Wahl – Prorussische Partei von Parlamentswahl in Moldau ausgeschlossen“, und am 27. September folgten noch „Vor Parlamentswahl – Moldaus Präsidentin Sandu beklagt »enormen Druck aus Moskau«“ und „Partei Moldova Mare – Weitere prorussische Partei von Parlamentswahl in Moldau ausgeschlossen“.

Die deutsche Öffentlichkeit wurde damit auf einen möglichen Wahlsieg der Opposition eingestimmt, um in diesem Falle eine anti-russische Kampagne über angebliche russische Einmischungen zu starten, oder um die deutsche Öffentlichkeit auf mögliche Unruhen nach der Wahl einzuschwören. An allem wäre natürlich Russland Schuld gewesen, wie die Überschriften der Spiegel-Artikel unschwer erraten lassen.

Dass das kleine Moldawien für den Westen so wichtig ist, hat geopolitische Gründe, denn Moldawien ist im Grunde eine Ukraine im Kleinformat. Was der Ukraine der abtrünnige Donbass war, ist für Moldawien das abtrünnige Transnistrien, und in beiden Ländern gibt es große russische Bevölkerungsanteile, die gegen die anti-russische Politik ihrer Regierungen sind. In Moldawien lässt sich bei Bedarf jederzeit ein Kriegsszenario provozieren, wie es ab 2014 auch im Donbass provoziert wurde. Mehr Details darüber, warum Moldawien geopolitisch so wichtig ist, finden Sie hier.

Wenn Christian Esch die Welt erklärt…

Nachdem der Spiegel seine Leser letzte Woche in fünf Artikeln auf die Wahlen in Moldawien eingeschworen hatte, folgten am Sonntag und am Montag noch zwei weitere Artikel über den Wahltag und das Wahlergebnis. Am Montag durfte Christian Esch dann noch einen zusammenfassenden Artikel über die Wahlen in Moldawien schreiben.

Für Leser des Anti-Spiegel ist Christian Esch kein Unbekannter, er ist ein anti-russischer Schreiberling mit sehr fragwürdigen Ansichten, der in seinen Artikel über Russland und die Ukraine meistens mehr Informationen weglässt als er liefert. Außerdem fällt Esch immer wieder dadurch auf, dass er Rassisten in Schutz nimmt und die Nazi-Verehrung in der Ukraine schön redet.

Eschs Artikel über die Wahlen in Moldawien trug die Überschrift „Wahl in Moldau – Sieg für die EU, Niederlage für Putin“ und begann mit folgender, vielversprechender Einleitung:

„Die kleine Republik Moldau hat gewählt – und den prowestlichen Kurs der Präsidentin bestätigt, trotz russischer Einflussnahme. Drei Lehren aus der Wahl.“

Schauen wir uns also an, welche drei Lehren Herr Esch präsentiert, und vor allem, was er seinen Lesern dabei alles verschweigt.

„Unerwartet eindeutiger Sieg“

Die erste Lehre von Herrn Esch war der „unerwartet eindeutige Sieg“ der pro-europäischen Regierungspartei. Und er hat teilweise Recht, denn unerwartet war der Sieg, allerdings war er nicht so eindeutig, denn dass die Regierungspartei die Wahl im Inland verloren hat und den Gesamtsieg nur dadurch erreichen konnte, dass die Exil-Moldawier in Russland und Transnistrien, die gegen die Regierungspartei gestimmt hätten, an der Teilnahme an der Wahl gehindert wurden, erwähnt Esch nicht.

Er erwähnt auch nicht, dass die Regierungspartei in Umfragen vor der Wahl nur auf 33 Prozent kam. Hätte er das erwähnt, hätten wohl sogar Spiegel-Leser angefangen, an der Korrektheit der Wahl zu zweifeln, die die Regierungspartei angeblich mit 50,2 Prozent gewonnen hat. Also verschweigt Esch solche Details lieber.

Stattdessen freut er sich darüber, dass Moldawien seinen Pro-EU-Kurs fortsetzen wird und erwähnt noch, dass der Parteienzusammenschluss “Patriotischer Block” nur auf etwa 24 Prozent der Stimmen gekommen ist, wobei er natürlich verschweigt, dass praktisch alle Parteien, die gemäß dem offiziellen Wahlergebnis zusammen auf über 40 Prozent gekommen sind, gegen den pro-westlichen Kurs der Regierung sind. Esch suggeriert seinen deutschen Lesern stattdessen, dass die Opposition weit abgeschlagen war.

„Moldauer im Ausland stimmen für proeuropäischen Kurs“

Dass das Zünglein an der Waage die Exil-Moldawier waren, erwähnt Esch erst im nächsten Teil seines Artikels, denn er schreibt:

„Stärkste Bastion der prowestlichen Kräfte sind, wie bei vergangenen Wahlen, die in die EU ausgewanderten Moldauerinnen und Moldauer. Das Land ist bitterarm, entsprechend viele haben ein besseres Leben im Ausland gesucht. 17,5 Prozent aller abgegebenen Stimmen wurden jenseits der Landesgrenzen abgegeben, allein in Italien wurden zu diesem Zweck 75 Wahllokale geöffnet. Ohne die Auslandsstimmen hätte die PAS ihre absolute Mehrheit verfehlt. Das erinnert an den letzten großen Wahlgang im Oktober 2024: Damals war ein Referendum für einen EU-Beitritt des Landes nur dank der Auslandsstimmen angenommen worden.“

Dass genau das die Manipulation der Wahlen war, verschweigt Esch allerdings. Er erwähnt nicht, dass in Russland, wo über 350.000 Moldawier leben, nur zwei Wahllokale eröffnet wurden, die nur 10.000 Stimmzettel bekommen haben. In Russland konnten daher nur etwas über 4.000 der 350.000 Moldawier ihre Stimme abgegeben. Hätten den Exil-Moldawiern in Russland auch so viele Wahllokale zur Verfügung gestanden, wie den Exil-Moldawiern in der EU, hätte die Regierungspartei die absolute Mehrhheit verloren, die sie mit Hilfe dieser Manipulation denkbar knapp errungen hat – und die Opposition hätte die neue Regierung gebildet.

Aber das verschweigt Esch seinen Lesern lieber.

Stattdessen lenkt er davon ab, indem er über die Moldawier in Russland und Transnistrien allen Ernstes schreibt:

„Die prorussischen Kräfte haben den stärksten Rückhalt in der abtrünnigen Provinz Transnistrien und der autonomen Region Gagausien, aber auch unter den nach Russland ausgewanderten Moldauern. Von denen aber gibt es nicht mehr so viele wie einst: Seit Russlands Krimannexion 2014 und vollends seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 überwiegen die Kontakte nach Westen.“

Das ist ungeheurer Unsinn, denn natürlich gab es nach den genannten Ereignissen keinen Exodus der Moldawier aus Russland. Diese Moldawier sprechen als Muttersprache Russisch und haben sich in Russland ein Leben aufgebaut, warum sollten sie Russland wegen der genannten Ereignisse verlassen haben?

Und dass die moldawische Regierung die Wahlberechtigten aus Transnistrien ebenfalls an der Stimmabgabe gehindert hat, indem sie erstens auch die Zahl der für sie vorgesehenen Wahllokale so weit gesenkt hat, dass auf ein Wahllokal 25.000 Wähler gekommen sind, während es für Moldawier 1.200 Wähler pro Wahllokal waren, und indem die Regierung zweitens den Verkehr über die Brücken aus Transnistrien nach Moldawien eingeschränkt hat, erwähnt Esch an dieser Stelle ebenfalls nicht. Von den 300.000 Wahlberechtigten aus Transnistrien konnten am Ende nur etwa 12.000 ihre Stimme abgeben.

Aber auch das müssen Spiegel-Leser ja nicht erfahren.

„Hoffnung auf inneren Frieden“

Besonders dreist ist Esch bei seiner letzten der „drei Lehren“, die er aus den Wahlen in Moldawien zieht, denn er schreibt:

„Das unerwartet eindeutige Wahlergebnis weckt die Hoffnung, dass es auch von allen Kräften anerkannt wird und Straßenproteste ausbleiben. Das war zuvor nicht so klar. Schrille Vorwürfe standen im Raum.“

Von einem klaren Wahlsieg kann, wie gesehen, keine Rede sein. Stattdessen ist die Manipulation der Wahl offensichtlich. Das weiß natürlich auch Esch, aber sollte es in den nächsten Tagen tatsächlich zu Protesten der Opposition und zu Unruhen kommen, kann der Spiegel sich auf diese Aussage beziehen und wieder Russland beschuldigen, hinter den Protesten zu stehen, die angeblich vollkommen unbegründet sind, weil das Wahlergebnis ja angeblich so „eindeutig“ gewesen ist.

Auf diesen Absatz folgen in Eschs Artikel ausführliche Vorwürfe gegen Russland, das sich angeblich in die Wahlen einmischen wollte. Erst am Ende des Artikels, im vorletzten Absatz, schreibt Esch noch etwas, das er vorher verschwiegen hat:

„Die prorussischen Parteien wiederum beschuldigten die Regierung, die Wahlbeteiligung prorussischer Wähler zu erschweren – etwa durch die Schließung von Brücken zur moskautreuen, abtrünnigen Region Transnistrien.“

Nach den anti-russischen Tiraden, die Esch in den Absätzen zuvor über die angeblichen russischen Versuche einer Wahleinmischung losgelassen hat, klingt das für Spiegel-Leser unglaubwürdig. Dass es die Wahrheit ist, schreibt Esch natürlich nicht, sondern er stellt es durch seine Formulierung als absurde, russische Propaganda dar.

Christian Esch, der als ehemaliger Chef des Spiegel-Büros Moskau einer der dienstältesten anti-russischen Propagandisten des Spiegel ist, hat mal wieder gezeigt, dass seine Artikel mit Berichterstattung (oder gar Journalismus) rein gar nichts gemein haben. Eschs Artikel zeichnen sich, wie eingangs erwähnt, praktisch immer dadurch aus, dass er alles, was nicht ins gewollte Bild passt, einfach weglässt.

Das ist per Definition Propaganda, aber kein Journalismus. Aber vom Spiegel bin ich mittlerweile nichts anderes mehr gewöhnt.